Eine Welt ohne Krieg, Streit, Beleidigungen, sondern voller Frieden und Einigkeit – wer träumt nicht davon? Das war auch das Thema des Theaterstücks, das die Schülerinnen der Gisela-Schulen von der fünften bis zur achten Jahrgangsstufe unter der Leitung von Lehrer Martin Gahr in der Aula aufgeführt haben. Als Vorlage dafür diente ihnen das Kinderbuch „Jakobs Traum“ von Frank Ruprecht.
In mehreren Vorstellungen nahmen die jungen Schauspielerinnen ihr Publikum mit auf eine traumhafte Reise in einen Wald, der durch einen Bach geteilt ist. Der Rabe Jakob berichtet in seiner Rolle als Erzähler von zwei Menschen, die den ganzen Wald jeweils für sich allein haben wollen. Immer wieder stehen sich die Figuren „Ferdinand der Prächtige“ und „Roderich der Gerechte“ am Ufer gegenüber, prahlen mit ihren Stärken und drohen sich gegenseitig, den anderen zu besiegen und zu verjagen. Angetrieben von dem Willen, den Zweikampf zu gewinnen, versammeln beide im Laufe der Erzählung mehrere fantastische Waldbewohner, wie den „grimmen Wadlbeißer“, um sich, nur um jedes Mal festzustellen, dass keiner über den anderen siegen kann, egal wie viele und gefährliche Tiere sie gegeneinander aufstellen. Der Rabe Jakob sorgt schließlich dafür, dass die beiden einsehen, dass ihre Auseinandersetzung zu nichts führt. Sie beschließen, miteinander auszukommen, und entwickeln letztlich eine tiefe Freundschaft, in der beide von ihren persönlichen Stärken profitieren – bis plötzlich Jakob als Mensch von seinem Traum erwacht und zum Schluss sagt: „Oder bleibt doch nur alles ein Traum?“
Die jungen Schauspielerinnen sorgten jedenfalls dafür, dass dieser Traum auf der Bühne lebendig geworden ist. Durch ihren starken emotionalen Ausdruck – in humorvollen wie auch in tiefgründigen Szenen – spielten sie jede einzelne Rolle sehr überzeugend und stellten die Geschichte so realistisch dar, dass das Publikum von Anfang an in den Bann des Schauspiels gezogen wurde und sich mit den Figuren der Erzählung identifizieren konnte. Umso eindringlicher kam auch die Botschaft der Geschichte bei den Gästen an, die jeweils eigenen Stärken nicht für einen Wettkampf zu nutzen, sondern für ein gemeinsames, friedliches Leben einzusetzen und so die Hoffnung zu wecken, dass nicht alles nur ein Traum bleiben muss.
Wolfgang Neumeier



