Politische Bildung

Podiumsdiskussion am Gisela-Gymnasium beleuchtet antidemokratische Tendenzen in Deutschland

Gisela-Schulen Niedernburg am 21.07.2025

Info Icon Foto: Ludwig Kohlhofer
Vorne sitzend v. l.: MdL Toni Schuberl, Landrat Raimund Kneidinger, Prof. Dr. Lars Rensmann, Perdita Wingerter Hinten stehend v. l.: Lara Wolf, Laura Rother, Kursleiter Ludwig Kohlhofer, Lea Paulus, Anna-Lena Thoma, Lena Donaubauer, Gerda-Marie Hahne, Antonia Schneider, Alina Bartlweber, Elena Paul, Katharina Kelbel, Sophia Meth, Emma Harreiter, Hibah Arif, Leni Chrubasik, Leen Khalaf, Schulleiter Dr. Markus Eberhardt

Im Juli 2025 organisierten die Schülerinnen des Leistungsfachs Politik und Gesellschaft – einem Kombinationskurs des Gisela-Gymnasiums und des Leopoldinums – eine Podiumsdiskussion zum Thema „Antidemokratische Tendenzen in Deutschland“. 

Die Ver­an­stal­tung wur­de von der zwölf­ten Jahr­gangs­stu­fe bei­der Gym­na­si­en besucht. Als Exper­tin­nen und Exper­ten nah­men Per­di­ta Win­ger­ter (Gemein­sam leben und ler­nen in Euro­pa e. V.), Prof. Dr. Lars Rens­mann (Lehr­stuhl­in­ha­ber für Poli­tik­wis­sen­schaft an der Uni­ver­si­tät Pas­sau), Land­rat Rai­mund Knei­din­ger (CSU) sowie MdL Toni Schu­berl (Bünd­nis 90/​Die Grü­nen) teil. Die Dis­kus­si­on bot einen fun­dier­ten und leben­di­gen Aus­tausch über Ursa­chen, Aus­wir­kun­gen und Gegen­stra­te­gien im Ange­sicht wach­sen­der Demokratiefeindlichkeit.

Im Fokus stan­den drei zen­tra­le The­men: anti­de­mo­kra­ti­sche Ten­den­zen in der Gesell­schaft, der Umgang mit extre­mis­ti­schen Par­tei­en sowie die Rol­le zivil­ge­sell­schaft­li­chen Enga­ge­ments für eine leben­di­ge Demokratie.

Jeder The­men­block wur­de von zwei Schü­le­rin­nen durch ein kur­zes Impuls­re­fe­rat ein­ge­lei­tet. Im Anschluss dis­ku­tier­ten die Gäs­te unter der Mode­ra­ti­on zwei­er wei­te­rer Kollegiatinnen.

Ein wesent­li­cher Dis­kus­si­ons­punkt war der Ver­trau­ens­ver­lust in poli­ti­sche Insti­tu­tio­nen sowie die zuneh­men­de gesell­schaft­li­che Spal­tung. Dabei rück­te unter ande­rem das The­ma Migra­ti­on in den Mit­tel­punkt. Land­rat Knei­din­ger beton­te, dass einer­seits die Ein­wan­de­rungs­po­li­tik so gestal­tet sein müs­se, dass Kom­mu­nen bei Unter­brin­gung und Inte­gra­ti­on nicht über­for­dert wer­den. Ande­rer­seits sei der Zuzug von Arbeits­kräf­ten unver­zicht­bar, da vie­le Bran­chen – etwa die Pfle­ge, das Bau­ge­wer­be oder die Gas­tro­no­mie – ohne Migran­tin­nen und Migran­ten bereits heu­te kaum mehr funk­ti­ons­fä­hig seien.

Auch die Rol­le sozia­ler Medi­en wur­de kri­tisch beleuch­tet. Die­se för­der­ten durch algo­rith­mi­sche Ver­stär­kung, geziel­te Des­in­for­ma­ti­on und Echo­kam­mern die Ver­brei­tung extre­mis­ti­scher Inhal­te. Prof. Rens­mann sprach sich in die­sem Zusam­men­hang für einen ​„neu­en Gesell­schafts­ver­trag“ aus, der ver­bind­li­che Regeln für sozia­le Netz­wer­ke vor­sieht, um zu ver­hin­dern, dass poli­ti­sche Debat­ten in Euro­pa durch Kam­pa­gnen extre­mis­ti­scher Grup­pen oder aus­län­di­scher Auto­kra­tien mani­pu­liert werden.

Ein zen­tra­ler Aspekt der Debat­te war die Fra­ge, wie die demo­kra­ti­sche Gesell­schaft auf die­se Her­aus­for­de­run­gen reagie­ren kann. Beson­ders betont wur­de die Bedeu­tung einer akti­ven Zivil­ge­sell­schaft. Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter Toni Schu­berl hob her­vor, dass Demo­kra­tie kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit sei – sie lebe vom Enga­ge­ment und der Bereit­schaft, sich ein­zu­mi­schen. Dabei gel­te es, den Dia­log zu suchen, aber zugleich gegen Het­ze und Aus­gren­zung vor­zu­ge­hen – sei es in der Schu­le, im Freun­des­kreis oder im Verein.

Per­di­ta Win­ger­ter, Ver­tre­te­rin der zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­ti­on Gemein­sam leben und ler­nen in Euro­pa, unter­strich die Rele­vanz des Enga­ge­ments jun­ger Men­schen. Am Bei­spiel ver­schie­de­ner Initia­ti­ven zeig­te sie, dass per­sön­li­che Begeg­nun­gen zwi­schen unter­schied­li­chen gesell­schaft­li­chen Grup­pen ein Schlüs­sel zu mehr Ver­ständ­nis und gesell­schaft­li­chem Zusam­men­halt seien.

Die Podi­ums­dis­kus­si­on mach­te deut­lich: Anti­de­mo­kra­ti­sche Ten­den­zen sind längst kein Rand­phä­no­men mehr, son­dern stel­len eine ernst­haf­te Bedro­hung dar. Umso wich­ti­ger ist es, dass sich alle Tei­le der Gesell­schaft aktiv für demo­kra­ti­sche Wer­te stark­ma­chen. Es braucht Men­schen, die Hal­tung zei­gen – nicht nur in Wor­ten, son­dern auch im täg­li­chen Han­deln. Denn: Die Demo­kra­tie ver­tei­digt sich nicht von selbst. Sie braucht Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die für sie einstehen.

Lud­wig Kohlhofer

Weitere Nachrichten

Politische Bildung
06.11.2026

Besuch der Wanderausstellung „Bundestag“

Frei nach dem Motto „Wenn du nicht zum Bundestag kommst, kommt der Bundestag zu dir“ gastierte die…

Exkursionen und Fahrten
06.11.2026

Schullandheim in Riedenburg

Die 6. Klassen der Realschule auf Reisen

Exkursionen und Fahrten
15.10.2026

Die USA verstehen

Welche Bedeutung haben die diesjährigen Midterm Elections?

Nachrichten
08.10.2026

Internationaler Besuch an den Gisela-Schulen

Englischunterricht verbindet Europa