Podiumsdiskussion am Gisela-Gymnasium beleuchtet antidemokratische Tendenzen in Deutschland
Foto: Ludwig Kohlhofer
Im Juli 2025 organisierten die Schülerinnen des Leistungsfachs Politik und Gesellschaft – einem Kombinationskurs des Gisela-Gymnasiums und des Leopoldinums – eine Podiumsdiskussion zum Thema „Antidemokratische Tendenzen in Deutschland“.
Die Veranstaltung wurde von der zwölften Jahrgangsstufe beider Gymnasien besucht. Als Expertinnen und Experten nahmen Perdita Wingerter (Gemeinsam leben und lernen in Europa e. V.), Prof. Dr. Lars Rensmann (Lehrstuhlinhaber für Politikwissenschaft an der Universität Passau), Landrat Raimund Kneidinger (CSU) sowie MdL Toni Schuberl (Bündnis 90/Die Grünen) teil. Die Diskussion bot einen fundierten und lebendigen Austausch über Ursachen, Auswirkungen und Gegenstrategien im Angesicht wachsender Demokratiefeindlichkeit.
Im Fokus standen drei zentrale Themen: antidemokratische Tendenzen in der Gesellschaft, der Umgang mit extremistischen Parteien sowie die Rolle zivilgesellschaftlichen Engagements für eine lebendige Demokratie.
Jeder Themenblock wurde von zwei Schülerinnen durch ein kurzes Impulsreferat eingeleitet. Im Anschluss diskutierten die Gäste unter der Moderation zweier weiterer Kollegiatinnen.
Ein wesentlicher Diskussionspunkt war der Vertrauensverlust in politische Institutionen sowie die zunehmende gesellschaftliche Spaltung. Dabei rückte unter anderem das Thema Migration in den Mittelpunkt. Landrat Kneidinger betonte, dass einerseits die Einwanderungspolitik so gestaltet sein müsse, dass Kommunen bei Unterbringung und Integration nicht überfordert werden. Andererseits sei der Zuzug von Arbeitskräften unverzichtbar, da viele Branchen – etwa die Pflege, das Baugewerbe oder die Gastronomie – ohne Migrantinnen und Migranten bereits heute kaum mehr funktionsfähig seien.
Auch die Rolle sozialer Medien wurde kritisch beleuchtet. Diese förderten durch algorithmische Verstärkung, gezielte Desinformation und Echokammern die Verbreitung extremistischer Inhalte. Prof. Rensmann sprach sich in diesem Zusammenhang für einen „neuen Gesellschaftsvertrag“ aus, der verbindliche Regeln für soziale Netzwerke vorsieht, um zu verhindern, dass politische Debatten in Europa durch Kampagnen extremistischer Gruppen oder ausländischer Autokratien manipuliert werden.
Ein zentraler Aspekt der Debatte war die Frage, wie die demokratische Gesellschaft auf diese Herausforderungen reagieren kann. Besonders betont wurde die Bedeutung einer aktiven Zivilgesellschaft. Landtagsabgeordneter Toni Schuberl hob hervor, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit sei – sie lebe vom Engagement und der Bereitschaft, sich einzumischen. Dabei gelte es, den Dialog zu suchen, aber zugleich gegen Hetze und Ausgrenzung vorzugehen – sei es in der Schule, im Freundeskreis oder im Verein.
Perdita Wingerter, Vertreterin der zivilgesellschaftlichen Organisation Gemeinsam leben und lernen in Europa, unterstrich die Relevanz des Engagements junger Menschen. Am Beispiel verschiedener Initiativen zeigte sie, dass persönliche Begegnungen zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen ein Schlüssel zu mehr Verständnis und gesellschaftlichem Zusammenhalt seien.
Die Podiumsdiskussion machte deutlich: Antidemokratische Tendenzen sind längst kein Randphänomen mehr, sondern stellen eine ernsthafte Bedrohung dar. Umso wichtiger ist es, dass sich alle Teile der Gesellschaft aktiv für demokratische Werte starkmachen. Es braucht Menschen, die Haltung zeigen – nicht nur in Worten, sondern auch im täglichen Handeln. Denn: Die Demokratie verteidigt sich nicht von selbst. Sie braucht Bürgerinnen und Bürger, die für sie einstehen.
Ludwig Kohlhofer



