„Ist denn die Welt verrückt geworden?“ Auf diese Frage eine Antwort zu finden, scheint angesichts der Realität oft ganz einfach und ist dennoch unmöglich. Antworten hatte die Crew des Profilfachs Theater der Gisela-Schulen deshalb auch nicht parat. Den 15 Schülerinnen um Kursleiter Wolfgang Reiter gelang es aber, das Publikum mit großer Spielfreude und Professionalität in die Welt des absurden Theaters, in „Mr. Reiters Irrenhaus“, zu entführen. In einer Adaption von Ken Campbells Sammlung “Mr. Pilks Irrenhaus” vereinte das Ensemble einzelne Minidramen von Campbell und Daniil Charms sowie Gedichte von Ringelnatz, Morgenstern und Erich Mühsam zu einem geschlossenen und sehr gelungenem Theaterabend.
Die von Cora Dobler (Q13) verfasste Rahmenhandlung um Dr Frida (Laura Rother) und ihre Assistenzärztinnen (Helena Gibis und Julia Gruber) führte das Publikum – nicht als bloße Zuschauer, sondern als Patienten des Irrenhauses — durch die verschiedenen Szenen. Die zum Stab gehörende Krankenschwester (Paula Schuster) konnte dabei ihrer – absurden – Liebe zu Gedichten frönen, bis hin zum imaginären Mops aus „Ottos Mops“ von Joachim Ringelnatz, den sie fasziniert auf der Bühne beobachtete. In den folgenden Szenen bewiesen die höchst motivierten Schauspielerinnen ihr großes Talent: Seien es die Spione aus Zimmer 135 (Emma Harreiter und Sophia Bildner), die Beteiligten am „Zwischenfall vor Gericht“ (Kristina Schröder, Clara Junge, Emma Jüttner, Sohia Bildner) oder die Mutter (Thea Lüftl), die die Heiratsabsichten ihres Sohnes (Kristina Schröder) einfach nicht verstehen will oder kann oder …
„Ja, ist denn die Welt verrückt geworden?“ Diese Frage hatte auch am Beginn des Theaterprojekts im September gestanden und bei den Schülerinnen viele Ängste und Unsicherheiten ausgelöst, die der schwierigen politischen Weltlage geschuldet sind. In der Kunstform des absurden Theaters erkannten die Mädchen des Wahlfachs eine geeignete Möglichkeit der Konfliktbewältigung. Die Welt zeigt sich dabei sinnentleert, die Menschen vereinsamt und voller Angst. So müssen die Figuren auf der Bühne im Sinne des Existenzialismus sich selbst orientieren und nach dem Sinn suchen. In den dadurch entstehenden clownesken Situationen, die jedoch oftmals von der Trauer über das Schicksal der Figur überlagert werden, kann das Publikum – im besten Fall — die Welt in ihrer Absurdität erkennen.
Am Ende steht eine tolle Gesamtleistung des Profilfachs Theater: Neben den beeindruckend agierenden Schauspielerinnen auf der Bühne verdient auch die Leistung von Regie (Antonia Färber, Wolfgang Reiter), Technik und Licht (Laura Fuchs, Anna Wachler), Kulisse (Emma Jüttner, Clara Runge) und Gestaltung des Programmhefts (Lina Küblbeck, Leni Wagmann) und aller im Hintergrund tätigen Schülerinnen ein großes Kompliment. Zusammen mit Kursleiter Wolfgang Reiter gelang es ihnen in sehr überzeugender Weise die Absurdität der Welt vorzuführen, so dass den Zuschauern oft das Lachen im Halse stecken blieb.
Gabriele Maier



