Ein Abend und eine Nacht in der Schule – mit jeder Menge Programm, tiefsinnigen Gesprächen, kreativer Arbeit und ganz viel Gemeinschaft – das ist das Konzept der Bibelnacht, an der die Niedernburger Schülerinnen ab der achten Klasse jedes Jahr teilnehmen können. Dieses Mal lautete das Motto der Veranstaltung: „Die Bibel – Ein Buch der Hoffnung“.
Bei der Auftaktveranstaltung in der Aula der Gisela-Schulen begrüßte Schulleiter Dr. Markus Eberhardt die rund 270Schülerinnen und zahlreichen Lehrkräfte, die sich bereit erklärt hatten, Workshops zum Thema zu leiten und die einzelnen Klassen während der Übernachtung zu beaufsichtigen. In seinen einführenden Worten ging er darauf ein, dass das diesjährige Thema angesichts der aktuellen Kriege in der Welt eine große Bedeutung hat. Um so mehr sei das Ziel dieser Bibelnacht, dass die Schülerinnen mit einem Gefühl der Hoffnung in die Ferien gehen können. Er richtete vorab seinen Dank an Organisator Thomas Mader, die vielen beteiligten Lehrkräfte und zahlreich anwesenden Schülerinnen sowie an die Mädchen der Klasse 10c aus der Realschule, die unter viel Aufwand die Aula in eine große Theaterbühne verwandelt haben. Die Schülerinnen führten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anschließend auch in die Veranstaltung ein.
In der Geschichte, die sie aufführten, stellten sie ein Gespräch dar, wie es unter Freundinnen stattfinden könnte: Während ihrer Unterhaltung stellt sich heraus, dass eine von ihnen das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Selbstzweifel hat. Ihre Gesprächspartnerin beginnt daraufhin von ihrer Urgroßmutter zu erzählen, die ihre Hoffnung früher vor allem aus den Erzählungen in der Bibel geschöpft hatte. Anschließend wurden verschiedene Episoden aus der Bibel szenisch von anderen Schülerinnen dargestellt, die von Momenten der Hoffnung handelten. Am Ende wird deutlich: Hoffnung gibt es nicht nur für „Gewinner“, sondern für jeden Menschen: „Gott kümmert sich auch um die, die übersehen werden“. Ausgehend von einer anderen Szene um Jesus, der einer Sünderin vergibt, zeigt sich außerdem: Gott gibt dem Menschen eine zweite Chance. Durch diese Beispiele kommen die beiden Mädchen zu der Erkenntnis, dass die Bibel ein Buch der Hoffnung ist, auf die auch sie in ihrem Leben bauen können.
Im Anschluss an diese stimmungsvolle Einführung, die das Publikum mit großem Applaus würdigte, schickte Thomas Mader die Schülerinnen zu ihren ersten Workshops, in denen sie sich mit dem Thema „Hoffnung“ auseinandersetzen konnten. Die Lehrkräfte hatten dafür mehrere abwechslungsreiche Angebote vorbereitet. So entstanden in den Workshops z.B. Hoffnungsbilder zu biblischen Erzählungen oder die Schülerinnen konnten „Gläser der Hoffnung“ gestalten und Blumentöpfe bemalen und bepflanzen. Ebenso gut besucht war das Angebot von Katharina Schmid und Emilia Wurzer, Rosenkränze zu basteln. Frater Serafim aus dem Kloster Niederalteich bot den Schülerinnen zudem an, einen Einblick darin zu bekommen, welche Rolle die Hoffnung im Leben als Mönch oder Nonne spielt.
Nach dieser intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema trafen sich alle Schülerinnen noch einmal in der Niedernburger Kirche, um den Abend mit einer Andacht ausklingen zu lassen. Schülerinnen der Q12 zeigten unter Anleitung ihres Religionslehrers Erich Liebl in mehreren kurzen Szenen anschaulich, wo Hoffnung gefunden werden kann. Den Abschluss machte die „Performance-Gruppe“ unter der Leitung von Adriane Bachl-Tanaka, die mit einemeinstudierten „Lichtertanz“ mit Teelichtern das Licht der Hoffnung im Altarraum der Kirche aufscheinen ließ. Das Entscheidende, so hielten die Schülerinnen fest, seien die Fragen „wie Hoffnung wachsen kann und wie wie wir sie weitergeben können“. Schülersprecherin Thea Lüftl und Valesca Seidler aus der Klasse G11a gaben in diesem Sinne kleine Zettel mit Hoffnungssprüchen an die Schülerinnenweiter. Für eine besondere Atmosphäre sorgten der Kirchenraum, der in grünes Licht getaucht war, und die musikalische Begleitung mit Gesang, Gitarre und Klavier.
Die Bibelsuppe, die im Anschluss ausgeteilt wurde, wurde bis auf den letzten Teller verzehrt. Danach stand die Nachtruhe auf dem Programm. Aber wie soll man schlafen, wenn die besten Freundinnen neben einem liegen und das nächtliche Schulhaus darauf wartet, im Finstern erkundet zu werden?Entsprechend schwer fiel das Aufstehen am nächsten Morgen, denn bereits um 7 Uhr Früh wartete der Ostergottesdienst als offizieller Abschluss der Bibelnacht. Den gesamten folgenden Schulvormittag über blickte man in müde, aber glückliche Schülerinnengesichter. Die, die zum ersten Mal dabei waren, fanden die Bibelnacht „sehr schön“ und hatten auch „viel Spaß bei den Angeboten“. Ihr Blick richtet sich daher schon hoffnungsvoll auf das nächste Jahr, in dem sie wieder an der Bibelnacht teilnehmen können.
Wolfgang Neumeier



