Am gestrigen Freitag war es endlich so weit. Schulleiter Dr. Eberhardt überreichte 52
Niedernburgerinnen ihr Zeugnis über den Realschulabschluss. Der Nachmittag begann mit einem
festlichen Gottesdienst in der altehrwürdigen Klosterkirche Niedernburg, der von Religionslehrerin
Clarissa Höcherl zusammen mit den Zehntklässlerinnen liturgisch und dem Stimmbildungsensemble
unter Leitung von Eva Zettl und Schulleiter Dr. Eberhardt an der Orgel musikalisch gestaltet wurde.
Pfarrer Markus Kirchmeyer ging in seiner Predigt auf das Motto des Gottesdienstes ein, das auch im
Kirchenraum sichtbar war: Dort war ein Webrahmen mit einem bunten Webstück aufgestellt, das mit
dem Leben der Schülerinnen vergleichbar ist. Kirchmeyer erläuterte, dass die senkrechten Fäden des
Webstücks für das Bleibende im Leben der jungen Damen stehen sollen, also die Herkunft, die
Familie, aber auch Begabungen und Talente – Elemente also, die für Stabilität sorgen; die
waagrechten Fäden hingegen symbolisieren Entscheidungen und neue Wege, die jede Schülerin ganz
individuell gestalten kann und die letztendlich die bunte Vielfalt des Lebens ausmachen.
Eine erste Möglichkeit für Absolventinnen, Eltern und Lehrkräfte, miteinander ins Gespräch zu
kommen, ergab sich beim anschließenden Sektempfang, der traditionell von Lehrerinnen und
Schülerinnen des nächsten Abschlussjahrgangs im Kreuzgang bzw. Vierecksgarten organisiert wird.
Dabei konnten sich die Gäste auch mit leckeren Häppchen der “Kookies” der Don-Bosco-Schule
Passau für den zweiten Teil des Nachmittags stärken.
Den offiziellen Teil der Abschlussfeier leitete die Schulband unter Leitung von Mihaela Paulus
gewohnt schwungvoll ein. Schulleiter Dr. Eberhardt ging im Anschluss in seiner Rede zuerst auf die
einzigartige Geschichte des Ortes ein: Als wohl einzige UNESCO-Schule weltweit liegen die Gisela-
Schulen auf Fundamenten, die Teil des UNESCO-Weltkulturerbes „Donaulimes“ sind. Eberhardt nahm
diese Besonderheit zum Anlass, die Schülerinnen auf das Fundament hinzuweisen, das sie sich im
Verlauf ihrer Schulzeit in Niedernburg erworben haben: Nicht nur Wissen und Fakten, sondern vor
allem weitreichende Kompetenzen wie Team- und Kritikfähigkeit, Selbstbewusstsein und
Individualität. Eberhardt erinnerte die Absolventinnen in diesem Zusammenhang auch daran, wie
wichtig es gerade in der heutigen Zeit ist, zwischen Wahrheit und FakeNews oder auch zwischen
vorschnellen Urteilen und dem kompetenten Erfassen einer Situation zu unterscheiden.
Abschließend gab er den Mädchen mit auf den Weg, dass sie in Niedernburg immer ein Zuhause
haben: „Einmal Niedernburgerin, immer Niedernburgerin“. Ein Zitat von Benjamin Franklin,
„Investiere in dich selbst. Es zahlt die besten Zinsen.“, stellte Bürgermeister Andreas Rother als
Vertreter der Stadt Passau in seinem Grußwort in den Mittelpunkt. Er bezeichnete Bildung dabei als
Kapital, das einem keiner mehr nehmen könne. Damit ausgestattet können sich die Abschluss-
Schülerinnen nun stolz auf ihren eigenen Weg machen und ihre Zukunft gestalten. Und auch wenn
wir in anspruchsvollen Zeiten leben, sollten die Absolventinnen optimistisch bleiben und keine Angst
vor Veränderung haben, so Rother. Er dankte darüber hinaus Eltern und Lehrkräften, die die jungen
Damen mit Geduld und großem Einsatz in den letzten Jahren begleitet haben. Anschließend
überreichte er den Preis der Stadt Passau an die Jahrgangsbeste Magdalena Schmid. Landrat
Raimund Kneidinger, der in offizieller Funktion, vor allem aber auch als Papa einer Absolventin
anwesend war, führte den Mädchen in seinem Grußwort vor Augen, dass sie mit ihrem Abschluss
nun einerseits etwas Handfestes in der Tasche haben, sich andererseits aber auch der großen
Verantwortung von Freiheit stellen müssen. Denn das Schwierige an Freiheit sei, dass man sich eben
entscheiden müsse, aber auch das große Privileg habe, sich entscheiden zu dürfen. Kneidinger bat
abschließend darum, an so einem Tag nicht all jene zu vergessen, die oft unsichtbar, aber nicht
unverzichtbar sind: Hauspersonal, Busfahrer, Sekretariatsdamen. Als Vertreterin der Diözese Passau,
die vor 30 Jahren die Trägerschaft der Gisela-Schulen übernommen hat, sprach Schulamtsdirektorin
Anja Wagner-Hölzl. Sie stellte ihre Gedanken unter das Motto „Leinen los“. Auch wenn die Mädchen
nun den sicheren Hafen Niedernburg verlassen (müssen), sind sie gut für alles Kommende gerüstet.
Sie haben nicht nur Wissen erworben, sondern auch ein christlich geprägtes Miteinander
kennengelernt. Deshalb können sie als stolze Niedernburgerinnen nun unbesorgt die Segel setzen
und sich vom Wind treiben lassen. Franz Schartner, Elternbeiratsvorsitzender der Gisela-Realschule,
riet den Absolventinnen, mutig zu sein und zu ihren Überzeugungen zu stehen. Dabei, so Schartner,
sollten sie immer wissen, dass ihnen Familie und Freunde unterstützend zur Seite stehen.
Nach einem weiteren stimmungsvollen Beitrag der Volksmusikgruppe unter Leitung von Barbara
Weindl-Poindecker überreichten Schulleiter Dr. Markus Eberhardt und die stellvertretende
Schulleiterin der Realschule Sylvia Breuherr die Zeugnisse. Besonders stolz ist die Schulfamilie auf
eine ganze Reihe hervorragender Leistungen. So erreichte Magdalena Schmid die Traumnote 1,08.
Sophie Fenzl schloss mit einem Schnitt von 1,15 ab, Luzie Wagner beendet ihre Realschulzeit mit 1,23
und Anna Schwabengruber kann man zum Abschluss-Schnitt 1,38 gratulieren. Im Anschluss wurden
einige Schülerinnen für ihr besonderes schulisches Engagement geehrt: Neben dem Einsatz im
Schülerinnenparlament oder als Schulsanitäterin gehören dazu auch besondere musikalische und
gestalterische Akzente oder auch die Auszeichnung als Botschafterin Bayerns im Rahmen eines
Stipendienprogramms des bayerischen Kultusministeriums. Die Absolventinnen Katharina Buchner
und Franziska Salzinger blickten zum Abschluss zusammen mit weiteren Mitschülerinnen auf die
vielen stressigen Momente, aber besonders auch auf die vielen schönen und lustigen Erinnerungen
an ihre Schulzeit zurück. Sie bedankten sich bei Eltern und Familien für ihre Unterstützung und
richteten einen herzlichen Dank an die Lehrer, die ihnen – in ganz unterschiedlicher Weise – im
Gedächtnis bleiben werden. Einen besonderen musikalischen Moment schuf am Ende der Feier
Katharina Buchner, die mit der kurzerhand zu „I am from Niedernburg“ umgedichteten Austro-Pop-
Hymne die besondere Verbundenheit der Mädchen zu ihrer Schule zum Ausdruck brachte.
Nach dem Ende der offiziellen Feier wechselten die Abschluss-Schülerinnen und ihre Familien für den
gemütlichen Teil des Tages in die Uni-Mensa Passau, um dort den Tag ausklingen zu lassen.
Gabriele Maier


